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Siamkatzen

 

Siamkatzen (oft verwendete Namenskurzform: "Siamesen") gehören zu den bekanntesten und am meisten verbreiteten Rassekatzen. Wie der Name vermuten lässt, stammen die Vorfahren der heutigen Siamkatzen aus dem ostasiatischen Siam, dem heutigen Thailand, wo sie bereits im 14. Jahrhundert schriftlich erwähnt werden. Das erste Siamkatzenpaar gelangte Ende des 19. Jahrhunderts über englische Diplomaten nach Großbritannien und begründete die Zucht der Rasse in Europa. Siamkatzen sind Teilalbinos. Diese Form der Mutation zeichnet sich durch eine blaue Augenfarbe und eine weiße Fellfarbe mit dunkler gefärbten Stellen ("Points") in der Körperperipherie wie beispielsweise Ohren, Schwanz und Pfoten aus. Durch intensive Züchtungsarbeit vor allem in den 1980er und 1990er Jahren kam es zu einer starken Differenzierung im Aussehen der Siamkatzen. Man unterscheidet nun einen "modernen Typ", der weiterhin als Siamkatze bezeichnet wird, und einen so genannten "traditionellen Typ," der unter dem Namen Thaikatze oder "Traditionelle Siamkatze" von manchen Verbänden bereits als eigener Rassestandard anerkannt wird. Weitere eng verwandte Rassekatzen in der Gruppe der orientalischen Katzen sind beispielsweise die in den 1940er Jahren anerkannten Siamkatzen mit Halblanghaarfell, die Balinesenkatze oder Orientalisch-Kurzhaar-Katzen (OKH), die sich nur durch andersfarbige Augen und der Fellfarbe von der Siamkatze unterscheiden.

 

Herkunft

Die Vorfahren der heutigen Siamkatze stammen aus dem südostasiatischen Raum. Ob sich der langschwänzige hochbeinige Typ mit den für Siamkatzen typischen Points dort originär aus der Vermischung freilebender Wild- mit bereits domestizierten Katzen entwickelte oder ob es Einflüsse von außerhalb gab, ist nicht bekannt. Einer Hypothese zufolge kamen über arabische und indische Seefahrer Katzen aus dem Mittelmeerraum beziehungsweise Kleinasien nach Südostasien und brachten die für Mittelmeerkatzen oft anzutreffende Schlankform in den Genpool der südostasiatischen Vorgängerkatzen ein. Der Verhaltensforscher und Zoologe Paul Leyhausen vermutete hingegen, dass die Siamkatze aus einer Kreuzung asiatischer Hauskatzen mit Bengalkatzen entstanden ist, konnte dies aber nicht wissenschaftlich belegen.

Geschichte

Die erste nachweisliche Erwähnung von Siamkatzen findet sich in dem Manuskript "Gedichte der Katze" des Autors Phra Nakhon, das sich heute in der Nationalbibliothek in Bangkok befindet. Es datiert in seinen Ursprüngen auf die Mitte des 14. Jahrhunderts zurück und stammt aus Ayutthaya, der Hauptstadt des gleichnamigen Königreichs. Die durch Hofmaler eingefügten Katzenabbildungen zeigen Abbildungen von Katzen, welche die typischen Eigenschaften einer Siamkatze, helle Körperfellfarbe und Points an Ohren beziehungsweise Gesicht, Pfoten und Schwanz, zeigen.

 

Die im alten Siam "Vichien Mas" (auch "Wichien-Maat") genannten Siamkatzen waren bevorzugte Haustiere des Königshauses und des siamesischen Hochadels. Teilweise wurden sie auch in Tempeln und Klöstern gehalten und gezüchtet. Die Siamkatze spielte alten Schriften zufolge auch eine wichtige religiös-spirituelle Rolle in der buddhistischen Religion. Starb ein Mitglied der Königs- oder Adelsfamilie, nahm eine ausgewählte Katze die Seele eines Verstorbenen auf. Der Katze wurden anschließend spirituelle Kräfte nachgesagt und sie verbrachte den Rest ihres Lebens im Tempel, wo sie als Reinkarnation des Verstorbenen verehrt wurde.

 

Tiam O'Shian IV, Siam Seal Point-Kater (Aufnahme von 1902)

 

Der Besitz von Siamkatzen war streng geregelt, und kein Tier durfte das Land verlassen. Vereinzelte Siamkatzen kamen in den 1870er Jahren nach England und den USA, starben dort aber schnell aufgrund fehlender klimatischer Anpassung und falscher Haltung. 1871 erregten erste ausgestellte Siamkatzen im Londoner Crystal Palace großes Aufsehen. 1884 schenkte der siamesische König Rama V. dem britischen Generalkonsul Sir Edward Blencowe Gould ein männliches und ein weibliches Tier. Pho und Mia, wie beide hießen, wurden zu dem ersten Zuchtpaar in England. Bereits kurz nach ihrer Ankunft begann man endgültig, Siamkatzen mit in das Zuchtprogramm aufzunehmen und weitere Tiere nach England einzuführen. Erste Nachkommen des Siamkatzenpaares Pho und Mia wurden bereits auf der großen Katzenausstellung im Londoner Crystal Palace 1885 ausgestellt.

 

In den ersten Jahrzehnten konnte nur mit wenigen Tieren gezüchtet werden, was wahrscheinlich durch Inzucht zu der Entstehung heute vorhandener Gendefekte führte. Siamkatzen waren entweder Direktimporte aus Siam (bis in die 1930er Jahre) oder kamen aus europäischen Zoos, wo sie als Attraktion gehalten wurden. Man unterschied in diesen Anfangsjahren der Zucht die Typen & "Siam-Königskatze" und "Tempelkatze", die sich in Körperbau und -farbe sowie in der Schwanzlänge unterschieden.

 

Der erste Rassestandard für Siamkatzen, die man damals noch als Royal Cat of Siam bezeichnete, wurde 1892 erstellt und 1902 stark erweitert. 1901 wurde in England der "Siamese Cat Club" gegründet. Ende des 19. Jahrhunderts wurden Siamkatzen bereits vermehrt in England und Frankreich gezüchtet und auch in den USA fanden sich zu diesem Zeitpunkt die ersten Siamkatzenzüchter. Erst 1927 begann in Deutschland bei dem" 1. Deutschen Angorakatzen ­ Schutz- und Zuchtverbandes" (heute 1. DEKZV) mit zwei eingetragenen Züchtern eine planmäßige Zucht. Ab der Mitte des 20. Jahrhunderts wurden Siamkatzen weltweit in großem Stil gezüchtet. Beginnend mit den 1950er und 1960er Jahren wurden bei der Zucht verschiedene Farbschläge wie Chocolate-, Lilac- oder Red-Point gezielt selektiert und weitergezüchtet, was mittelfristig zu der Anerkennung weiterer eigenständiger Farbschläge durch die großen Katzenzuchtverbände führte.

Aussehen

Die Siamkatze ist eine sehr schlanke, muskulöse Kurzhaarkatze von mittlerer Größe. Die Katzen wiegen zwischen 3,0 und 4,0 kg, Kater zwischen 4,0 und 5,0 kg. Eines der typischen Merkmale der Siamkatze ist die durchweg blaue Augenfarbe, ein anderes die Pointierung des Fells an außenliegenden Extremitäten wie Kopf und Ohren, Schwanz, Pfoten und, bei Katern, dem Hodensack.

Aufgrund ihrer langen Beine zählt sie, wie beispielsweise auch die Abessinierkatze, zu den hochbeinigen Katzenrassen. Die Hinterbeine sind dabei länger als die Vorderbeine. Die Pfotenform ist oval. Der Schwanz ist länger als bei den meisten anderen nichtorientalischen Katzen, dünn und in einer Spitze auslaufend.

Der Kopf der Siamkatze ist, je nach Unterscheidung in modernen oder traditionellen Typ, keilförmig bis leicht rundlich. Im Idealfall bilden Gesicht und die großen, diagonal stehenden Ohren ein gleichschenkliges Dreieck. Die Augen der Siamkatze sind mandelförmig, weit auseinanderliegend und leicht schrägstehend. Die Nase der Siamkatze ist relativ lang und verläuft gerade und ohne Stop vom Scheitel herab. Das Kinn ist wenig ausgeprägt aber nicht fliehend.

 

 

 

 

Das Fell der Siamkatze ist umso heller, je jünger die Tiere sind. Eine vollständige Ausfärbung der Points ist in der Regel mit circa sechs bis neun Monaten abgeschlossen. Das Fell ist sehr kurz, enganliegend und sehr weich. Aufgrund der ursprünglichen Herkunft weist es nahezu keine Unterwolle auf.

 

Klassische Grundfarben

Die Ausprägung der vier klassischen Grundfarben der Siamesen wird wie folgt beschrieben:

 

 

Seal-Point

 

Körperfarbe: cremewarme hellbraun verdunkelnd

Abzeichen: tiefes Schwarzbraun (= seal)

Nasenspiegel: tiefes Schwarzbraun (= seal)

Farbe der Pfotenballen: schwarzbraun

Blue-Point

 

Körperfarbe: eisfarbenes Weiß, auf dem

Rücken kaltes Dunkelblau erlaubt

Abzeichen: blaugrau

Nasenspiegel: schieferfarben

Farbe der Pfotenballen: schieferfarben

Chocolate-Point

 

Körperfarbe: elfenbein

Abzeichen: milchschokoladenfarben

Nasenspiegel: schokoladenfarben

Farbe der Pfotenballen: zimtfarben bis milchschokoladenfarben

Lilac-Point

 

Körperfarbe: gebrochenes weiß, eventuell mit blaßlila Schattierung

Abzeichen: hellgrau mit rosa Schimmer

Nasenspiegel: blaßlila

Farbe der Pfotenballen: blaßlila

 

Charakter

Aufgrund der hohen Wurfzahlen, im Durchschnitt vier bis sechs Welpen, öfters auch mehr, weisen Siamkatzen normalerweise ein ausgeprägtes Sozialverhalten auf. Sie haben, wie alle anderen orientalischen Katzen auch, ein intensives gemeinsames Gruppenleben. Gegenseitige Körperpflege, Fang- und Jagdspiele sowie gemeinsames Jagen und das gemeinsame Großziehen von Jungtieren bei mehreren Würfen gehören dazu. Siamkatzen sollten deshalb nie als Einzelkatze gehalten werden.

Siamkatzen gelten als hochintelligent, eigenwillig und trotzdem sehr menschenbezogen.Bei den Rassekatzen gehören sie zu den kommunikativsten Katzen, verbunden mit einer äußerst lauten Stimme. Ihr Spieltrieb, besonders in Gesellschaft anderer Katzen, ist sehr ausgeprägt und auch bei älteren Katzen noch vorhanden.

 

Ihre Lernwilligkeit und Menschenbezogenheit zeigt sich beispielsweise bei der Bereitschaft, sich an einer Leine oder einem Geschirr ausführen zu lassen. Diese ist bei den Siamkatzen von allen Rassekatzen am ausgeprägtesten. Aufgrund des hohen Maßes an Interaktion mit dem Menschen werden Siamkatzen oft auch als die Hunde unter den "Rassekatzen" bezeichnet.

Im Rahmen der Felinaltherapie werden Katzen zur Verbesserung der Lebensqualität von behinderten Menschen, insbesondere Kinder, eingesetzt. Hier wird insbesondere die Siamkatze zur Interaktion mit hypoaktiven Kindern bevorzugt. Aufgrund ihres sehr lebhaften Charakters sowie ihrer Gutmütigkeit animieren Siamkatzen behinderte Kinder, die beispielsweise unter Formen des Autismus leiden, zu einer Steigerung der eigenen Aktivitäten.

 

 

Quelle: Wikipedia